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Alexander Liebreich
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4. ABONNEMENTKONZERT

Donnerstag, 21. Januar 2010, 20 Uhr, Prinzregententheater

ALEXANDER LONQUICH Klavier
ALEXANDER LIEBREICH Dirigent

Richard Wagner ›Siegfried-Idyll‹ E-Dur WWV 103
Henri Dutilleux ›Mystère de l´instant‹ für 24 Streicher, Cimbalom und
Schlagzeug (1985–89)
Mark Andre „kar“ (2009/10), Auftragswerk des MKO [Uraufführung]
Maurice Ravel Konzert für Klavier und Orchester G-Dur (1929–31)

 

Konzerteinführung 19.10 Uhr, Prinzregententheater
Das Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten.

Das vierte Abonnementkonzert löst das Saison-Motto „Jenseits“ gleich doppelt ein. Mehr oder minder explizit werden in den Werken von Richard Wagner und Henri Dutilleux, bei Mark Andre ebenso wie bei Maurice Ravel metaphysische respektive spirituelle Fragestellungen berührt. Gleichzeitig aber erleben wir den Austausch musikalischer Ideen von diesseits und jenseits des Rheins: Französische und deutsche Musik treten in unmittelbaren Dialog.

In kaum einer Phase seines Lebens äußerte sich Wagners Hass auf das Nachbarland Frankreich auf irrationalere Weise als in den Monaten des Krieges von 1870/71. Just zu dieser Zeit entstand das innige „Siegfried-Idyll“, ein „symphonischer Geburtstagsgruß“ für seine zweite Frau Cosima, die anderthalb Jahre zuvor den gemeinsamen Sohn Siegfried zur Welt gebracht hatte. Uraufgeführt am 25. Dezember 1870 auf der Treppe des damaligen Familienheims bei Luzern, feierte die wichtigste Instrumentalkomposition des reifen Wagner das private Glück in Form einer sinfonischen Dichtung über Themen aus dem zweiten Tag der Ring-Tetralogie. In der Partitur verstecken sich überdies Hinweise auf die sorgenvollen frühen Jahre der Beziehung zwischen dem Komponisten und der damals noch mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheirateten Tochter Franz Liszts.

Henri Dutilleux, der am 22. Januar 2010 seinen 94. Geburtstag feiern kann, ist der große Einzelgänger der französischen Moderne. Nie hat er sich einer Schule angeschlossen, und auch in der Hochzeit der Avantgarde in den fünfziger Jahren hielt er an einem dezidiert romantischen Kunstverständnis fest, in dem die Kategorien des Traumes und des Geheimnisvollen eine zentrale Rolle spielen. Während der von der Dichtung Baudelaires und Prousts geprägte Komponist sich in zahlreichen Werken mit dem Phänomen der unbewussten Erinnerung auseinandergesetzt hat, stellt er in den zehn kurzen Sätzen seines Streicherstücks „Mystère de l’instant“ (1989) in sich abgeschlossene, klar umrissene Klangsituationen in den Mittelpunkt.

Der Klang als Tor zur transzendenten Erfahrung: Diese Idee steht im Mittelpunkt des Schaffens von Mark Andre. Nach einem Studium bei Gérard Grisey in Paris fand der Franzose (Jahrgang 1964) Ende der achtziger Jahre in Helmut Lachenmann einen Mentor, der ihm jene Perspektiven auf „Musik als existenzielle Erfahrung“ (Lachenmann) eröffnete, die der gläubige Protestant lange gesucht hatte. Andre, der seit einigen Jahren in Berlin lebt und sich der deutschen Kultur besonders verbunden fühlt, arbeitet mit leisen, überaus komplex konstruierten Geräuschklängen, für die er alle erdenklichen Möglichkeiten der Tonerzeugung auf den Streichinstrumenten nutzt. Sein knapp fünfzehnminütiges neues Stück, das im Auftrag des Münchener Kammerorchesters entstand und heute seine Uraufführung erlebt, thematisiert auf subtile Weise die Frage religiöser Transformati-on: Nicht umsonst spielt der Titel „kar“ auf das Mysterium des Karfreitags an.

Ganz diesseitig nimmt sich demgegenüber Ravels um 1930 entstandenes Klavierkonzert in G-Dur aus: Einprägsame Themen, rhythmischer Drive, blitzende Farben und laszive Jazz-Anklänge sorgen für ein Manifest der Lebensfreude. „Ich bin wirklich der Meinung, dass die Musik eines Konzerts heiter und brillant sein kann; sie braucht keinen Anspruch auf Tiefgründigkeit zu erheben oder nach dramatischen Effekten zu trachten“, schrieb Ravel zu dem dreisätzigen Werk. Noch während der Arbeit verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Durchblutungsstörungen im Gehirn setzten seiner Produktivität ein rasches Ende. Die Partitur verrät davon nichts: Das Jenseits scheint denkbar fern. Berufener Solist des Ravel-Konzerts ist der 1960 in Trier geborene Alexander Lonquich. Sein ECM-Recital mit Werken von Fauré, Messiaen und Ravels fingerakrobatischem "Gaspard de la nuit" bezeichnete der Pariser "Figaro" 2004 als eine "bewunderungswürdige Lektion in Sachen französisches Klavierrepertoire". Lonquichs Karriere begann nach seinem frühen Sieg beim Casagrande-Wettbewerb 1976 in Terni, Italien. Neben seiner Tätigkeit als Solist bedeutender Orchester widmet sich der Pianist an der Seite von Frank Peter Zimmermann, Joshua Bell, Heinz Holliger und anderen intensiv der Kammermusik; seit einigen Jahren tritt er mit Ensembles wie der Camerata Salzburg oder dem Mahler Chamber Orchestra sehr erfolgreich auch in der Doppelfunktion als Solist und Dirigent auf.

Kartenpreise
EUR 53,– / 49,– / 44,– / 35,– / 27,–
EUR 12,– Jugendkarte (≤ 28 Jahre)

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